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Der 3. OEKT2021 in Frankfurt, beobachtet von Norbert Hofmann und Bibel aktuell

Seit Jahren widmet Bibel Aktuell nach einem Kirchentag einen Abend diesem Ereignis. Teilnehmer berichteten, gemeinsam wurde darüber gesprochen. Doch mit Corona kam alles anders. Der Kirchentag konnte nicht als Präsenzveranstaltung stattfinden genau so wenig wie auch die monatlichen Treffen von Bibel Aktuell. Doch am Samstagabend des Kirchentages war in Niederrad die Ökumene besonders spürbar und präsent. Die Kirchorte wurden getauscht. Die Gottesdienste wurden in der jeweils anderen Gemeinde gefeiert. Was wäre es für ein Ereignis gewesen, wenn dieser Ökumenische Kirchentag insgesamt in gewohnter Form vor der eigenen Haustür hätte stattfinden können? Doch Fernsehen und Internet machten immerhin die virtuelle Teilnahme möglich. So konnten wir auf diese Weise an der Veranstaltung teilnehmen und können nun auch wie üblich darüber berichten.

„Schaut hin“, so lautete das Motto des 3. Ökumenischen Kirchentages im Mai 2021 in Frankfurt. Die erste Veranstaltung war der Fernsehgottesdienst am Morgen des Himmelfahrtstages. Wegen Corona waren Besucher nicht zugelassen. Unter diesen Bedingungen hätte der Ort nicht besser gewählt werden können. Es war das Dach eines Parkhauses mitten in Frankfurt mit Blick auf die Skyline und den alles überwölbenden Himmel. Den musikalischen Teil übernahmen zwei Sängerinnen und ein Sänger und eine kleine Band. Mit eindrucksvollen Texten über unseren Glauben und die Probleme unserer Zeit wandten sich Vertreter der einzelnen christlichen Religionen an die Fernsehzuschauer. „Kirche ist lebendige Gemeinschaft,“ so sagte der Prior von Taizé. Und zum Kirchentagsmotto „Schaut hin“ fügte die evangelische Kirchentagspräsidentin hinzu „wo auch Jesus hinschauen würde“.

In der Festveranstaltung am Freitagabend brachte der Bundespräsident die Hoffnung zum Ausdruck, dass von diesem Kirchentag ein Signal der Ermutigung und ein Signal des Aufbruchs ausgehen werden. Der hessische Ministerpräsident sprach von Orientierung, die wir brauchen und die der Kirchentag uns geben kann.  

Im Anschluss an diese Veranstaltung wurde „Eins“, ein „ökumenisches Oratorium“, uraufgeführt. Darin erzählt die Apostelin Junia vom Leben Jesu, von Karfreitag und Auferstehung, von Christi Himmelfahrt und Pfingsten. Dies alles wird von der Redakteurin Julia, die es nicht glauben kann, hinterfragt. Begleitet von klassischer und zeitgenössischer Musik ergibt die Aufführung auch ohne Publikum einen kulturellen Höhepunkt des Kirchentages.

Auf dem Hauptpodium zum Thema Klimaschutz sprach Bundeskanzlerin Merkel mit der Klimaaktivistin Luisa Neubauer. Dabei brachte es die Kanzlerin auf den Punkt, dass Verhaltensänderungen von uns allen erforderlich sind, dass wir jetzt und nicht irgendwann handeln müssen. Die verschiedenen Bibelarbeiten wurden schon vorher ohne Teilnehmer digital aufgezeichnet und konnten ab Samstag im Internet abgerufen werden. Auch alle anderen Veranstaltungen dieses Kirchentages sind digital gespeichert und stehen unter www.oekt.de noch bis zum Jahresende zur Verfügung.

Für den Abschlussgottesdienst hatte man wiederum eine interessante Kulisse gewählt: Den Platz an der Weseler Werft direkt am Main mit Blick auf Sachsenhausen und die Stadt. Nach einem Grußwort des Bundespräsidenten folgten bei regnerischem Wetter die Liturgie des Gottesdienstes und weitere Wortbeiträge. Die musikalische Gestaltung übernahmen einzelne Sängerinnen und Sänger, unterstützt von Posaunen und anderen Instrumenten. Zum Abschluss des Gottesdienstes wandte sich Kirchentagspräsident Sternberg an die coronabedingt weniger als 400 Teilnehmer und auch an die vielen Fernsehzuschauer mit den Worten: „Lassen Sie uns Zeichen setzen, für unsere Nächsten da sein. Machen auch Sie mit. Seid dabei, schaut hin, packt an!“                                                                                                                

Wenn die ausgesandten Zeichen im Lande gehört werden, wenn die Botschaften und Impulse von den Menschen aufgenommen und umgesetzt werden, dann hat es sich gelohnt, dass dieser Kirchentag nicht abgesagt wurde. Selbstverständlich sind das gemeinsame Erleben und die persönliche Begegnung tragende Elemente eines Kirchentages. Wir hoffen, und es besteht die begründete Zuversicht, dass die kommenden Treffen wieder solche Präsenzveranstaltungen sein können. Dann sind auch Teile der für diesen Kirchentag vorgenommenen digitalen Entwicklungen als eine zusätzliche Bereicherung denkbar.

Norbert Hofmann

Europäische Bibeldialoge

So nennen sich die Begegnungstagungen, zu denen sich seit vielen Jahren Christen in Berlin oder anderen Europäischen Städten treffen. Veranstalter ist die Evangelische Akademie zu Berlin. Darüber zu berichten, ist Gemeindepädagoge Gerd Pfahl am 16. September 2020 zu Bibel Aktuell gekommen. Er selbst hat schon oft daran teilgenommen und auch in der Leitung mitgewirkt.

Ihren Ursprung haben diese Veranstaltungen in den Berliner Bibelwochen, deren erstes Treffen bereits 1954 stattfand. Dabei trafen sich evangelische Christen aus der Bundesrepublik und der DDR zum gemeinsamen Gespräch und Gedankenaustausch. Nach dem Mauerfall wurden dann aus diesen Bibelwochen die Europäischen Bibeldialoge, an denen Christen nicht nur aus Deutschland sondern auch aus anderen europäischen, insbesondere ost- und südosteuropäischen Ländern teilnehmen. Die Tagungsorte sind entsprechend außer Berlin auch in anderen europäischen Städten. Die Veranstaltungen dauern heute nur noch 4 Tage. Je Tag sind es 3 Arbeitseinheiten. Außerdem sind Exkursionen eingeplant. So ging es beispielsweise bei der Tagung in Breslau nach Kreisau, bekannt durch den Kreisauer Kreis, einer Widerstandsgruppe in der Nazizeit.

Die einzelnen Tagungen richten sich an wechselnde Zielgruppen, z.B. Menschen im Gesundheitsdienst, oder Angehörige von Behinderten und stehen unter einem bestimmten Thema, zu dem passende Bibeltexte ausgewählt werden. Die Verkehrssprache ist deutsch. Theologische Vorträge, vertiefende Gespräche und eine kreative Herangehensweise sind Säulen der Bibelarbeiten, die ernsthaft und intensiv betrieben werden. Sie bauen auf der gleichen Erkenntnis auf, die auch wir bei Bibel Aktuell über unsere Arbeit stellen: Die Bibeltexte sind heute so aktuell wie zu allen Zeiten.

Besonderen Wert erlangen die Bibeldialoge mit ihren Gesprächen über die Grenzen hinweg durch das gegenseitige Kennenlernen und Verstehen, was heute auf europäischer Ebene so wichtig ist wie es auch seinerzeit bei den Berliner Bibelwochen für das geteilte Deutschland war.

Norbert Hofmann

 

Bibel aktuell - Gottesdienst und Friedensdekade

Jona war von Gott beauftragt, nach Ninive zu gehen und den Menschen dort wegen ihrer Schlechtigkeiten das Strafgericht durch die Zerstörung ihrer Stadt anzudrohen. Jona wollte diesen Auftrag nicht ausführen, weil er wusste, dass es Gott reuen würde, seine Drohung wahr zu machen. Jona verschwand und fuhr mit dem Schiff in die andere Richtung. Als ein Sturm aufkam, hielten ihn die anderen auf dem Schiff für schuldig und warfen ihn ins Wasser. Da kam ein großer Fisch und verschluckte ihn. Im Bauch des Fisches wandte sich Jona Gott wieder zu. Der Fisch spuckte ihn aus.  Gott gab erneut Jona den Auftrag, nach Ninive zu gehen. So ging Jona und kündigte den Menschen dort an, was Gott ihm befohlen hatte. Als die Menschen dies hörten, ließen sie ab von ihrem frevelhaften Tun, der König, alle Menschen und Tiere. Da verschonte Gott die Stadt, die 120.000 dort lebenden Menschen und Tiere.

Die Jonageschichte war der Predigttext des Gottesdienstes am Buß- und Bettag, der gleichzeitig der Abschluss der Friedensdekade mit dem Titel „Klimawandeln“ war. Im Anschluss hatte Bibel Aktuell zum Nachgespräch eingeladen. Dazu trafen sich mehr als 20 Teilnehmer im Gemeindezentrum. In lebhafter Diskussion wurde der Bibeltext in Bezug zum Thema Klimawandel gesetzt. Gott hat nicht Ninive zerstört.

Will er dann, dass diese Erde, seine Schöpfung, zerstört wird? Er erwartet vielmehr heute wie damals Umkehr, Abwendung von unserem schädlichen Verhalten gegenüber dieser Erde.    

In der Diskussion kam auch zum Ausdruck, dass es im Menschen angelegt ist, dass er ständig nach mehr Wissen strebt. Auch auf den Glauben an unbegrenztes Wachstum wurde hingewiesen. Dies und noch anderes haben dazu geführt, dass die Menschheit inzwischen einen Erkenntnis- und Entwicklungsstand erreicht hat, der dazu führen kann, ihre eigene Lebensgrundlage auf dieser Erde zu zerstören. Sollten wir Menschen im Umkehrschluss dann nicht auch in der Lage sein, diesen Planeten auch künftig als für uns bewohnbar zu erhalten? Wenn uns Menschen das klar wird und wir danach handeln, dann brauchen wir keine neue Welt. 


Norbert Hofmann

 

 

 

 

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